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Wird in Österreich etwas als „so sicher wie ein Sparbuch“ bezeichnet, kann man davon ausgehen, dass es bis ans Ende der Welt und darüber hinaus Bestand hat. Österreicher und ihr Sparbuch sind innig verbunden, nicht einmal 0 % Zinsen können sie trennen. Nun stellt sich aber die Frage: Wie sicher ist ein Sparbuch eigentlich? Kurz gesagt: sehr.

Waren vor 2008 Spareinlagen pro Person und Bank bis 20.000 Euro durch die Einlagensicherung geschützt, so sind es seit der Finanzkrise 100.000 Euro pro Person und Bank, die durch das System der Einlagensicherung garantiert werden. Wie funktioniert dieses System und wann sind mehr oder weniger als 100.000 Euro gesichert?

Welche Einlagen werden von der Einlagensicherung garantiert?

EinlagensicherungGeschützt werden natürlich Sparbücher, aber auch andere Produkte, in denen du dein Geld möglichst risikofrei anlegen möchtest: Online-Sparkonten, Girokonten, Sparcards, Bausparverträge und Wertpapierverrechnungskonten.

Es spielt auch keine Rolle, auf welche Währung die Guthaben deiner Konten lauten, nur die Auszahlung im Anlassfall erfolgt in Euro. Dabei kommt der Umrechnungskurs am Tag des Eintritts des Sicherungsfalls zur Anwendung.

Ebenso unwichtig ist deine eigene Staatsbürgerschaft: Solange die Bank eine österreichische Konzession hat, kommt die österreichische Einlagensicherung zur Anwendung, unabhängig von der Staatsbürgerschaft der Kunden.

Gesichert sind übrigens nicht nur deine Einlagen, sondern auch die Zinsgutschriften auf diese Einlagen. Alle bis zum Eintritt des Sicherungsfalls anfallenden Zinsen werden ebenso garantiert wie dein einbezahltes Kapital.

Nicht von der Einlagensicherung erfasst sind aber die Wertpapierdepots selbst. Die Aktien in deinem Depot fallen nicht in die Konkursmasse der Bank, sie bleiben in deinem Besitz. Ob sie an Wert verlieren oder gewinnen, bestimmt alleine der Börsenkurs.

Wichtig: Wertpapiere fallen nicht unter die Einlagensicherung. Dafür gibt es die Anlegerentschädigung.

Ebenfalls nicht geschützt sind Anleihen und andere Schuldverschreibungen der Bank. Legst du dein Geld nicht auf ein Sparbuch deiner Hausbank, sondern kaufst du stattdessen eine Anleihe oder einen Pfandbrief des Instituts, sind die Zinsen meist höher. Der Preis dafür ist, dass das Sicherungssystem anders funktioniert. Hier greift nicht die Einlagensicherung, sondern die Besicherung erfolgt durch die Bank selbst. Sie kann der Anleihe beispielsweise Vorrang im Insolvenzfall einräumen oder sie als Nachranganleihe begeben und dafür höhere Zinsen zahlen. Wie sicher deine Schuldverschreibungen sind, kannst du in deren Emissionsprospekt nachlesen.  

Bis zu welcher Höhe sind Einlagen abgesichert?

In der Regel sind deine Einlagen bis zu 100.000 Euro abgesichert. In bestimmten Fällen werden sogar bis zu 500.000 Euro garantiert. Diese erhöhte Sicherheit gilt zum Beispiel, wenn das Geld aus dem Erlös einer privat genutzten Immobilie stammt, aus Schadenersatz-, Entschädigungs-, oder Ausgleichszahlungen, aus Versicherungsleistungen, oder wenn es an bestimmte Lebensereignisse anknüpft. Darunter fallen beispielsweise Abfertigungszahlungen, Leistungen einer Pensionskasse, eines Sozialplans, oder Zahlungen in Zusammenhang mit einer Hochzeit, einem Todesfall oder Invalidität.

Diese erhöhte Deckung gilt aber nur für die ersten 12 Monate nach Erhalt der Zahlung. Solltest du das Geld bis dahin noch nicht anderweitig verwendet oder veranlagt haben, kannst du es auf mehrere Banken verteilen, sodass bei keinem Institut mehr als 100.000 Euro liegen. So ist weiterhin der volle Betrag gesichert, da die Einlagensicherung sich auf einen Betrag pro Person und Bank bezieht.

Bei welchen Banken ist mein Erspartes sicher?

Die Einlagen bei allen in Österreich konzessionierten Banken sind geschützt. Ist eine Bank nicht Mitglied in einem Einlagensicherungssystem, verliert sie ihre Konzession.

Niederlassungen ausländischer Banken in Österreich müssen aber nicht einer österreichischen Einlagensicherung beitreten, sie sind oft Mitglied der Einlagensicherung ihres Heimatlandes. Dies muss dich nicht unbedingt schlechter stellen, auch im EU-Ausland sind in den allermeisten Fällen 100.000 Euro gesichert. Nur die Abwicklung im Schadensfall kann durchaus mühsamer werden, und Wechselkursverluste bei Einlagen außerhalb der Eurozone sind ebenfalls möglich.

Für wen gilt die Einlagensicherung?

Zunächst sind alle Guthaben natürlicher Personen, also Privatkunden, gesichert. Ebenso werden Spareinlagen und Kontoguthaben von Unternehmen garantiert, sowohl von Kapital- als auch Personengesellschaften. Obwohl eine Personengesellschaft mehrere Gesellschafter haben kann, wird sie hinsichtlich der Einlagensicherung als eine Person behandelt.

Nicht garantiert werden Einlagen von Kreditinstituten, Wertpapierfirmen, Pensionsfonds, Finanzinstituten und Versicherungsunternehmen. Auch Staaten und Gebietskörperschaften wie Gemeinden und Länder sind von der Einlagensicherung ausgenommen.

Der Aufbau des Einlagensicherungssystems

Genau genommen gibt es in Österreich nicht „die“ Einlagensicherung, sondern 5 Systeme. Einerseits gibt es die Einlagensicherung der Banken und Bankiers Gesellschaft m.b.H., über die viele verschiedene österreichische Banken ihre Einlagensicherung organisieren. Weiters haben die Raiffeisenbanken ihr eigenes Sicherungssystem, die Österreichische Raiffeisen-Einlagensicherungs eGen. Hier sind sämtliche Raiffeisenbanken Mitglieder, auch ausländische Niederlassungen österreichischer Raiffeisenbanken.

Ein ähnliches System verfolgen die Volksbanken, diese sind Mitglieder in der Volksbanken Einlagensicherung eG, und die Sparkassen, die sich über die Sparkassen-Haftungs AG organisieren. Auch die Hypo-Banken haben ihre eigene Einlagensicherung, die Hypo-Haftungs-Gesellschaft m.b.H.

Alle österreichischen Banken, die nicht Mitglied im Haftungsverbund der Raiffeisenbanken, Sparkassen, Volksbanken oder Hypobanken sind, sichern ihre Einlagen über die Einlagensicherung der Banken und Bankiers. In welchem System deine Einlagen gesichert sind, kannst du auf der Seite der WKO nachschlagen.

Für alle fünf Systeme gilt die gleiche Gesetzesgrundlage, das Einlagensicherungs- und Anlegerentschädigungsgesetz ESEAG. Jeder Haftungsverbund hat einen Einlagensicherungsfonds, in den die Banken Beiträge einzahlen. Im Sicherungsfall werden die Kunden aus diesen Mitteln entschädigt. Sollten die Mittel nicht reichen, müssen die anderen Banken Mittel nachschießen. Das bedeutet, dass alle Banken in einem Sicherungssystem füreinander haften. Sollte eine Bank Pleite gehen, werden Einlagen zuerst aus den Mitteln Einlagensicherungsfonds erstattet, und in weiterer Folge von den anderen Banken im Haftungsverbund, anteilsmäßig im Verhältnis ihrer gedeckten Einlagen. Wird die Leistungspflicht der anderen Kreditinstitute überschritten, muss die Bank ihre noch fehlenden Mittel am Geld- und Kapitalmarkt aufnehmen, wobei alle Sicherungseinrichtungen anteilsmäßig beizutragen haben. In letzter Instanz kann auch der Finanzminister nach gesetzlicher Ermächtigung eine Bundeshaftung übernehmen.

Ab 2019 gibt es eine einheitliche Einlagensicherung, die dann bei der Wirtschaftskammer angesiedelt ist. Von 2019 bis 2024 wird auch die Auszahlung im Sicherungsfall schrittweise beschleunigt: So darf die Rückerstattung der Einlagen im Jahr 2019 noch 20 Tage dauern, aber im Jahr 2024 nur mehr 7 Tage.

Bisherige Sicherungsfälle

Einlagensicherung FinanzkriseIn der jüngeren Geschichte kam es sehr selten vor, dass Spareinlagen ersetzt werden mussten. So ging etwa die Trigon Bank 2001 in Konkurs und Sparer wurden von der Einlagensicherung entschädigt, damals galt noch die Höchstgrenze von 20.000 Euro. Drei Jahre zuvor, 1998, ging die Riegerbank in Konkurs. Bei dieser waren keine Spareinlagen betroffen, die aufgrund der eingeschränkten Bankkonzession nicht eröffnet werden konnten, aber Kontoguthaben wurden von der Einlagensicherung ersetzt.

Diese und einige weitere Banken, die schließlich in die Insolvenz schlitterten, haben gemein, dass sie, im Vergleich zu Mitbewerbern, besonders hohe Zinsen anboten. Dies ist oft ein Zeichen dafür, dass sie ein besonders riskantes Geschäftsmodell verfolgen bzw. besonders dringend Geld brauchen.

Anfang September 2008 trat am österreichischen Markt ein isländischer Player auf, der 5 % Zinsen auf täglich fälliges Geld bot. Bereits anfang Oktober 2008, nur wenige Wochen nach der Pleite von Lehman Brothers, wurden von der FMA die Konten der österreichischen Kaupthing Kunden eingefroren und die Annahme weiterer Einlagen untersagt. Glücklicherweise konnten Ende Oktober die Einlagen an die bis dahin 200 bis 300 Kunden wieder ausbezahlt werden.

Kaupthing war zwar Mitglied in der isländischen Einlagensicherung, aber diese bestand nur aus wenigen Banken. Schon vor Kaupthing wurden einige davon insolvent, und der Haushalt des isländischen Staates erreichte nur einen kleinen Bruchteil der Bilanzsumme isländischer Banken.

Unsere Tipps

  • Daher sei Sparern geraten, bei Niederlassungen ausländischer Banken nicht nur auf die Garantien zu schauen, sondern auch auf deren Werthaltigkeit zu achten.
  • Besonders vorsichtig solltest du bei außerordentlich hohen Zinsversprechen sein. Wie auch bei anderen Formen der Geldanlage gibt es hohen Ertrag nur bei hohem Risiko.
  • Nichtsdestotrotz ist das Sparbuch immer noch eine der sichersten Sparformen. Solltest du Vermögen über 100.000 Euro in Sparbücher anlegen, teile es auf mehrere Institute auf, sodass bei keiner Bank mehr als 100.000 Euro liegen. So ist dein gesamtes Vermögen durch die Einlagensicherung geschützt.
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