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Wozu ein neues System?

Bisher gab es bei Zahlungen eine klare Rangordnung im Hinblick auf die Geschwindigkeit: Barzahlungen in Geschäften gehen zwar rasch, setzen aber voraus, dass der richtige Betrag mitgeführt wird. Wenn dann die Supermarktkassierin zum zehnten Mal hintereinander Centmünzen abzählen muss, zweifelt man auch langsam an der hohen Geschwindigkeit.

KreditkarteZahlungen mit Bankomat- und Kreditkarte nehmen einen Großteil der Sorgen bezüglich des richtigen Betrags, erfordern aber auch in vielen Fällen die Eingabe eines Pincodes oder eine Unterschrift, was ebenfalls seine Zeit dauert. Bis die Überweisung dann auf dem Konto des Zahlungsempfängers landet, vergeht mindestens ein Geschäftstag.

Ähnlich lange brauchen Überweisungen per Zahlschein oder Netbanking. Mit der Einführung von SEPA dürfen Überweisungen auf Papier, wie etwa per Zahlschein, zwei Bankarbeitstage dauern und Online-Überweisungen einen Bankarbeitstag. Zu beachten ist hier der Cut-off-Zeitpunkt. Das ist die Uhrzeit, bis zu welcher die Bank eine Überweisung als am selben Tag eingegangen betrachtet. Liegt dieser Zeitpunkt bei 15 Uhr, so gilt ein Auftrag, der an einem Montag um 15:30 entgegengenommen wird, als am Dienstag eingegangen. Ist der Dienstag ein Feiertag, so wird die Buchung am Mittwoch erfasst und das Geld trifft am Donnerstag beim Empfänger ein.

Ganz schön lange, oder? Und eigentlich auch nicht mehr zeitgemäß, wenn man bedenkt, welche technischen Möglichkeiten Banken zur Verfügung stehen und diese auch schon in anderen Bereichen einsetzen.

Angesichts wachsender Konkurrenz durch FinTechs und anderen Unternehmen haben die EZB und ein Unternehmen der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde EBA begonnen, Systeme für Instant Payment zu entwickeln.

Wenn du mehr zu FinTechs in Österreich erfahren möchtest, sieh dir unsere Übersicht über österreichische FinTech Start-ups an.

Dadurch wird die Möglichkeit für Echtzeit-Überweisungen geschaffen. Diese stehen Kunden 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr zur Verfügung. Für Instant Payment wird es also keinen Cut-off Zeitpunkt geben, keine Bankgeschäftstage und keine Bankfeiertage, kein Wochenende und keine Bürozeiten.

Die Einführung von Instant Payment

Das erste System wird schon im November 2017 zur Verfügung stehen und über Systeme der EBA laufen. Laut Medienberichten planen Raiffeisen und die Erste Bank noch heuer, dieses Service Kunden anzubieten. Die Durchführung von Echtzeitüberweisungen wird aber voraussichtlich nur zwischen Kunden von teilnehmenden Instituten möglich sein.

Europäische Zentralbank EZBBis November 2018 möchte auch die EZB ein System für Instant Payment anbieten, das TIPS – Target Instant Payment Settlement. Über das Target2 System, in das TIPS integriert werden soll, wird bereits jetzt schon der Interbanken-Zahlungsverkehr im Euroraum in Echtzeit abgewickelt. Künftig sollen Banken, die am TIPS teilnehmen, 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche ihren Kunden den Service von Echtzeitüberweisungen anbieten können. Dabei sollen die Kosten, die Banken pro Echtzeit-Überweisung verrechnet werden, 0,2 Cent (0,002 Euro) betragen, jedenfalls für die ersten zwei Jahre.

Die Mühen der Ebene

Die flächendeckende Einführung und Verwendung von Instant Payment dürfte noch einige Zeit dauern. Damit zwei Bankkunden einander in Echtzeit Geld überweisen können, müssen ihre Banken nämlich nicht nur Instant Payment anbieten, sondern auch das gleiche System verwenden (TIPS oder RT1 der EBA). Echtzeitüberweisungen von TIPS zu RT1 sollen nach derzeitigem Stand nicht möglich sein.

Wie die Details der Instant Payment Lösungen heimischer Banken aussehen, ist noch offen. Jedenfalls steht österreichischen Bankkunden ein spannender Herbst bevor. Die Teilnahme von Banken am neuen System ist freiwillig. Sie erfordert nicht nur eine Applikation für Kunden, sondern auch eine passende IT-Infrastruktur und entsprechende Lösungen, um mit den Risiken (Stichwort: Hackerangriffe) umzugehen.

Soll sich Instant Payment wirklich verbreiten, müssen sich also möglichst viele Banken einer der beiden Plattformen anschließen. Hat sich ein gemeinsamer Standard erstmal etabliert, dürfen sich Bankkunden auf ein neues Zeitalter des Bezahlens freuen. 

Vorteile für Kunden

Wer bis zu einer bestimmten Frist Geld überweisen muss, braucht sich keine Gedanken machen, ob Feiertage oder Wochenenden dazwischen liegen, und wer Geld erwartet, muss nicht mehr auf Montag warten, um zu sehen, ob der andere tatsächlich überwiesen hat.

Weitere Vorteile wird Instant Payment bei der Bezahlung von Privatverkäufen ausspielen. So war der Verkauf von Autos bisher eine eher heikle Angelegenheit. Der Verkäufer möchte möglichst schnell sein Geld sehen, der Käufer aber nicht früher als unbedingt nötig überweisen. Der Kompromiss lag meist im Mitführen großer Bargeldmengen, was ebenfalls für beide Seiten ein gewisses Risiko darstellt.

Instant Payment über eine Smartphone-App der Hausbank wird es ermöglichen, direkt bei der Schlüsselübergabe den Kaufpreis zu überweisen, wobei auch der Verkäufer vor Ort den Empfang des Geldes innerhalb weniger Sekunden überprüfen kann. So ähnlich wie bei der Bezahlung mit Bargeld...

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